
Biodiversität schützen? Die Schweiz weist weniger offiziell geschützte Fläche aus als ihre Nachbarländer.

Schutzgebiete sollen Arten, Lebensräume und natürliche Prozesse langfristig erhalten. Für einen europäischen Vergleich erfasst die Europäische Umweltagentur (EEA) Natura-2000- und Emerald-Gebiete sowie national ausgewiesene Gebiete. Da Schutzgebiete je nach Land und Methode unterschiedlich definiert werden, nutzt die EEA harmonisierte Geodaten und bereinigt Überlappungen. Im verwendeten EEA-Datensatz für Ende 2023 werden für die Schweiz 10,4 % der Landesfläche als Schutzgebiete ausgewiesen. Damit liegt sie unter ihren Nachbarländern: Deutschland erreicht 39,1 %, Österreich 29,3 %, Frankreich 28,3 % und Italien 21,4 %.
Die Werte bedeuten allerdings nicht, dass diese Flächen überall gleich streng geschützt sind. Besonders in Deutschland umfasst der EEA-Wert auch grossflächige Landschaftsschutzgebiete, in denen beispielsweise Land- und Forstwirtschaft weiterhin möglich sind. Die EEA weist darauf hin, dass ein erheblicher Teil der deutschen Schutzgebietsfläche die strengeren Kriterien für das EU-30-%-Schutzziel nicht erfüllt. Auch für die Schweiz existieren je nach Definition andere Werte. Das BAFU weist nach einer neueren Methodik 13,4 % Schutzgebiete und zusätzlich 8,0 % andere wirksame flächenbezogene Erhaltungsmassnahmen (OECM) aus. Zusammen ergeben sich überschneidungsbereinigt 21,4 % «Gebiete für die Biodiversität», wovon ein Teil erst provisorisch aufgenommen ist. Werden die erforderlichen Geodaten nicht verbessert, werden die provisorisch aufgenommenen Flächenkategorien ab 2031 von der Liste entfernt. Diese Werte sind aufgrund der unterschiedlichen Abgrenzung nicht direkt mit dem verwendeten EEA-Ländervergleich vergleichbar. Grosse, naturnahe Alpen-, Jura- oder Waldflächen der Schweiz bieten zwar vielen Arten Lebensraum. Soweit solche Flächen jedoch keinen im EEA-Datensatz erfassten rechtlich bindenden Schutzstatus besitzen, werden sie in dieser Statistik nicht berücksichtigt.
Die EEA-Zahlen zeigen somit vor allem den Umfang formal ausgewiesener Schutzgebiete im selben EEA-Datensatz nach einer gemeinsamen europäischen Methodik – nicht deren Schutzintensität oder tatsächliche Wirksamkeit.